64th ASH Annual Meeting and Exposition
December 10-13, 2022

Lymphoma

Abstract titles and text were obtained from the ASH website; abstracts were translated, edited, and summarized in German.

  • Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Predictors of Outcome
  • Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Prognostication and Risk Stratification of Aggressive B-cell NHL
  • Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Rare Populations
  • Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Real World Evidence for Management of CNS Lymphoma and Post CAR T-cell relapse for aggressive B-cell NHL

Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Predictors of Outcome

Die Cumulative Illness Rating Scale (CIRS) ist ein umfassendes Instrument zur Vorhersage des Behandlungserfolgs bei verschiedenen B-Zell-Malignomen. Die Autoren haben einen Algorithmus des maschinellen Lernens eingesetzt, um die prognostischen Auswirkungen spezifischer Komorbiditäten, die mit der CIRS gemessen wurden, auf das progressionsfreie Überleben (PFS) bei DLBCL-Patienten zu bewerten, die sich einer Leukapherese für CART in einer multizentrischen Lernkohorte (LC; Shouse et al, ASH 2021) unterzogen. In dieser Studie stellen die Autoren fest, dass diese Komorbiditäten auch das Gesamtüberleben (OS) vorhersagen und verifizieren ihre prognostische Bedeutung in einer separaten Validierungskohorte (VC).

Sie führten eine retrospektive RWE-Analyse von Patienten mit r/r DLBCL durch, die sich an 10 akademischen Zentren einer Leukapherese für CART unterzogen. Das CIRS wurde zum Zeitpunkt der T-Zell-Entnahme bewertet und nach Salvi (2008) berechnet. Eine hohe Komorbiditätsbelastung wurde anhand eines veröffentlichten CIRS-Scores von ≥7 definiert.

In dieser großen RWE-Studie konnten die Autoren zeigen, dass das Vorhandensein von Komorbiditäten innerhalb des Severe4-Komposit-Index eine prognostische Bedeutung für das OS bei CART-Empfängern mit r/r DLBCL hat. Severe4 wurde in einer separaten Kohorte validiert und ist prädiktiv für ein schweres CRS. CIRS ≥7 ist prädiktiv für ein schweres ICANS. Derzeit wird der zugrundeliegende Mechanismus, der zu dieser Beobachtung führt, untersucht. In Anbetracht dieser Ergebnisse sollten die CIRS-Bewertung und Severe4 laut den Studienautoren vor der CART-Behandlung bei DLBCL berechnet werden, um die Patienten mit dem höchsten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko zu ermitteln und sie über ihr zu erwartendes Risiko zu beraten. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass diese Ergebnisse angesichts des Anteils von 97% axi-cel-Patienten in der Studie produktspezifisch sein könnten und möglicherweise einer zusätzlichen Überprüfung mit anderen Produkten bedürfen.

 

Die CART-Zelltherapie hat das Überleben bei r/r LBCL verbessert, aber weniger als die Hälfte der Patienten überlebt langfristig. Das Ziel der Autoren war es, den Zusammenhang zwischen zwei zuvor entwickelten Prognosescores, dem CLL-CI und dem IPI (Gordon, 2021 und Sehn, 2007), und dem Überleben nach CART retrospektiv zu untersuchen.

Der IPI und der CLL-CI, die vor der CART-Behandlung ermittelt werden, sind laut den Studienautoren mit dem Überleben bei r/r LBCL assoziiert. Der IPI ist stärker mit der Mortalität aufgrund einer fortschreitenden Erkrankung assoziiert und der CLL-CI mit der Mortalität aufgrund toxischer/infektiöser Komplikationen – vor allem bei älteren Patienten (Alter >70 Jahre). Für die Autoren interessant ist ein Score, der zuvor für CLL validiert wurde, der auch für LBCL gilt und darauf hindeutet, dass vaskuläre, mäßige/schwere endokrine und mäßige/schwere obere gastrointestinale Komorbidität mit dem Überleben von Patienten mit verschiedenen Malignomen korreliert.

 

Die Richter-Transformation (RT) bei chronischer lymphatischer Leukämie/kleinem lymphatischem Lymphom (CLL/SLL) ist eine bekannte, aber seltene Komplikation mit schlechter Prognose. Die Autoren untersuchten die Merkmale und Ergebnisse von 222 DLBCL-RT-Fällen, wobei sie Patienten, die mit neuen Wirkstoffen behandelt wurden, mit einbezogen haben.

Ihre multizentrische, internationale Studie ist die größte Kohorte von RT in der Ära neuartiger Therapien mit ausschließlich DLBCL-Histologie. Sie bestätigten den Nutzen mehrerer traditioneller Prädiktoren. Darüber hinaus identifizierten sie p53 IHC als einen vielversprechenden Prädiktor für ungünstige Ergebnisse (in univariablen und multivariablen Analysen) auf der Grundlage dieser vorläufigen Analysen.

 

Die Autoren haben versucht, die Auswirkungen der Labor-Zulassungskriterien der jüngsten DLBCL-Erstlinientherapiestudien bei Patienten aus der Lymphoma Epidemiology Outcomes (LEO)-Kohorte zu bewerten, die demografisch mit der US-amerikanischen SEER-Population vergleichbar sind (Flowers et al. ASH 2018), und haben die Auswirkungen der Studienzulassungskriterien nach Rasse/Ethnizität bewertet.

Ihre Studie bestätigt ihre zuvor berichteten Assoziationen zwischen den laborbasierten Zulassungskriterien für Studien und den Ergebnissen bei neu diagnostiziertem DLBCL in einer größeren, aktuellen und heterogenen Kohorte und zeigt, dass einige Kriterien die Zulassung für H/NW-Patienten unverhältnismäßig stark einschränken. Künftige Studiendesigns müssen laut den Studienautoren die Zulassungskriterien so anpassen, dass sie die H/NW-Population besser einbeziehen.

 

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Ergänzung von Lenalidomid zu R-CHOP: Wertvolle Behandlungsoption für MYC-R DLBCL-Patienten

Patienten mit einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) mit MYC-Rearrangement (MYC-R) haben nach einer Standardbehandlung mit R-CHOP im Allgemeinen eine schlechte Prognose. Zuvor hatten die Autoren in einer einarmigen Phase-II-Studie (HOVON-130) gezeigt, dass die Zugabe von Lenalidomid zu R-CHOP (R2CHOP) gut verträglich ist und zu ähnlichen kompletten metabolischen Remissionsraten (CMR) und Überlebensraten führt wie intensivere Chemotherapieschemata wie DA-EPOCH-R [Chamuleau, Haematologica 2020]. Parallel zu dieser einarmigen Interventionsstudie wurde eine prospektive Beobachtungskohorte (HOVON-900) eröffnet, in der die Autoren alle neu diagnostizierten DLBCL-Patienten identifizierten, die in den Niederlanden mit R-CHOP behandelt wurden, einschließlich MYC-R-Patienten, die aus logistischen Gründen nicht in die Interventionsstudie aufgenommen wurden. Diese beiden Kohorten ermöglichen die Bewertung des Zusatznutzens von Lenalidomid zu R-CHOP in der Erstlinienbehandlung von neu diagnostizierten MYC-R-DLBCL-Patienten.

Studienanlage

  • In der einarmigen Phase-II-Studie HOVON-130 wurden MYC-R DLBCL-Patienten ≥ 18 Jahre mit R-CHOP21 plus Lenalidomid 15 mg Tag 1-15 für 6 Zyklen behandelt [Chamuleau, Haematologica 2020].
  • Weitere Einschlusskriterien waren Ann-Arbor-Stadium II-IV, WHO-Performance-Status 0-3, ≥ eine Läsion von ≥ 1,5 cm auf kontrastverstärktem CT-Scan und ≥ eine FDG-positive Läsion auf PET-CT-Scan.
  • In der Beobachtungsstudie HOVON-900 wurden MYC-, BCL2- und BCL6-Diagnosen mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) als Teil der Routineverfahren befürwortet und von der HOVON-Pathologieeinrichtung überprüft.
  • Als Kontrollgruppe wurden MYC-R-Patienten aus dieser Beobachtungskohorte ausgewählt, die die Einschlusskriterien für die Interventionsstudie erfüllten, aber nicht eingeschlossen wurden, und die mit Standard-R-CHOP behandelt wurden.
  • Die klinischen Informationen zum Zeitpunkt der Präsentation sowie die Behandlungs- und Ergebnisdaten wurden aus dem niederländischen Krebsregister entnommen.

Baseline

  • Die Patienten der Interventionsstudie, die mit R2CHOP behandelt wurden (n=77), waren jünger als die Patienten der Kontrollkohorte (n=56), die mit R-CHOP behandelt wurden (mittleres Alter 63 versus 70 Jahre, p=0,018), und
  • sie hatten häufiger einen niedrigeren WHO-Leistungsindex (p=0,013).
  • Ann-Arbor-Stadium, LDH-Spiegel, Anzahl der extranodalen Lokalisationen und mediane Tage vor der Behandlung (15 bzw. 19 in der R-CHOP- bzw. R2CHOP-Gruppe) unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen.

Behandlungsergebnisse

  • Die Rate der Komplettremissionen lag bei 69,8 % in der R-CHOP-Gruppe und bei 80,5 % in der R2CHOP-Gruppe (p=0,209).
  • Die multivariable Analyse, das 1:1-Matching und die Gewichtung mit dem Propensity Score zeigten durchweg ein besseres Ergebnis nach R2CHOP mit HRs von 0,53, 0,53 bzw. 0,59 (vgl. Abbildung 1A im Originalabstract) für OS und 0,59, 0,53 bzw. 0,60 für PFS (vgl. Abbildung 1B im Originalabstract).
  • In den Untergruppen, die durch den Rearrangement-Status bestimmt wurden, führten die Autoren nur eine unbereinigte OS- und PFS-Analyse durch, da sie aufgrund der geringen Anzahl von Ereignissen innerhalb der Untergruppen nicht in der Lage waren, eine Anpassung für Ungleichgewichte in der Ausgangslage vorzunehmen.
  • Sowohl SH-Patienten als auch DH/TH-Patienten hatten tendenziell ein längeres OS, wenn sie mit R2CHOP behandelt wurden (HRs von 0,34 bzw. 0,57).
  • Auch für das PFS lagen die HRs bei 0,66 in der SH-Untergruppe und 0,48 in der DH/TH-Untergruppe.

Diese Propensity-Score-bereinigte Vergleichsstudie unterstützt laut den Studienautoren die Ergänzung von Lenalidomid zu R-CHOP als wertvolle Behandlungsoption für MYC-R DLBCL-Patienten. R2CHOP kann vollständig ambulant verabreicht werden, mit minimalen Krankenhausaufenthalten. Künftige Studien werden gemäss den Autoren untersuchen, ob die Zugabe von Cereblon-Zielantigenen der nächsten Generation zu R-CHOP die beobachteten Wirkungen verbessern kann.

 

Frühere klinische Studien bei Brustkrebs und Darmkrebs haben gezeigt, dass ein früherer Behandlungsbeginn zu besseren klinischen Ergebnissen führt. Für DLBCL gibt es keine Standard-TDT-Leitlinien, und die Daten zeigen laut den Studienautoren eine große mediane Spanne (14 - 37 Tage) in verschiedenen Gesundheitssystemen (PMID: 33531642). In einer retrospektiven Studie der Autoren wird der Einfluss von TDT auf die Ergebnisse von Patienten untersucht, die in der Veterans Health Administration (VHA) behandelt werden, dem größten integrierten Gesundheitssystem der USA, das über 9 Millionen Veteranen betreut.

Diese Studie mit 2448 Patienten mit DLBCL ist eine Fortsetzung der Arbeit der Gruppe der Autoren (Williams et al., ASH 2020) und eine der größten Studien, die den Einfluss der TDT auf die Behandlungsergebnisse untersucht. Sie konnten zeigen, dass OS und PFS in der Gruppe ≤ 1 Woche signifikant niedriger waren. Bei Patienten mit sehr hohem Risiko waren OS und PFS im Vergleich zu anderen Gruppen um mindestens das Vierfache geringer. Bei Patienten mit ungünstigeren prognostischen Faktoren zum Zeitpunkt der Diagnose war es wahrscheinlicher, dass sie stationär behandelt wurden und die Behandlung früher begann.

 

Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Prognostication and Risk Stratification of Aggressive B-cell NHL

Bis zu einem Drittel der neu diagnostizierten Patienten mit DLBCL erleiden nach der Erstlinienbehandlung laut den Studienautoren einen Rückfall oder erreichen keine vollständige Remission. Die Ergänzung der derzeit verwendeten klinischen Prädiktoren durch PET-Radiomics-Merkmale könnte die Identifizierung von Patienten mit schlechter Prognose verbessern. Ziel dieser Studie war die externe Validierung des in der HOVON-84-Studie (Eertink et al., EJNMMI 2021) entwickelten radiomischen Modells anhand von Datensätzen aus sechs anderen DLBCL-Forschungsstudien in der PETRA-Datenbank.

Das Radiomics-Modell, das im HOVON-84-Datensatz entwickelt wurde, blieb in 6 unabhängigen DLBCL-Erstlinienstudien laut den Studienautoren vorhersagend für das Ergebnis und hatte in allen Studien eine höhere Modellleistung als der derzeit verwendete IPI-Risikoscore. Die Unterschiede zwischen der Leistung des IPI- und des Radiomics-Modells in den einzelnen Studien sind für die Autoren höchstwahrscheinlich auf die unterschiedlichen Patientencharakteristika in den einzelnen Studien zurückzuführen. Ihr Radiomics-Modell vermag Hochrisikopatienten genauer auszuwählen als das IPI-Modell, mit höherer Modellleistung und PPV.

 

Beim DLBCL wurde eine Vielzahl prognostischer Variablen beschrieben, die jedoch laut den Studienautoren nicht in allen Zentren verfügbar sind. Auf der ASH-Jahrestagung 2021 wurde der LaPI-Score (Laboratory Prognostic Index) vorgestellt, der drei Laborvariablen bei der DLBCL-Diagnose umfasst: Laktatdehydrogenase (LDH), Hämoglobin (Hb) und Beta-2-Mikroglobulin (B2M). Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Design des LaPI-Scores zu optimieren und diesen Index in einer unabhängigen Kohorte von DLBCL-Patienten zu validieren.

Der LaPI-Score ist laut den Studienautoren in der Lage, das Überleben bei DLBCL-Diagnose durch die Analyse von drei Laborparametern vorherzusagen, die in den meisten Zentren routinemäßig im peripheren Blut bestimmt werden: LDH, Hb und B2M. Seine prognostische Unterscheidungskraft ist anderen Scores überlegen. Die Anwendung ist einfacher als bei jedem anderen Index. Der Score vermag zudem eine Gruppe von Patienten mit einer sehr ungünstigen Prognose zu identifizieren, für die optimierte therapeutische Strategien ermittelt werden müssen.

 

Maurer et al. (J Clin Oncol, 2014) vermochten zu zeigen, dass das OS amerikanischer und französischer Patienten mit DLBCL, die ein EFS24 erreichten, dem der alters- und geschlechtsgleichen Allgemeinbevölkerung (GP) entspricht. Die Autoren haben das Gesamtüberleben (OS) von japanischen DLBCL-Patienten, die EFS24 erreichten, mit dem der japanischen Allgemeinbevölkerung verglichen.

Sie fanden hierbei, dass für reale japanische DLBCL-Patienten die EFS48 anstelle der EFS24 ein geeigneter Meilenstein sein könnte. Mit dem NJHSG-PI, der nur drei Faktoren verwendet, lässt sich das Erreichen der EFS48 laut den Studienautoren leicht und effektiv vorhersagen. Besonders für DLBCL-Neupatienten mit frühem CS, gutem PS und niedrigem sIL-2R könnten 12 Monate nach ICT als Nachbeobachtungszeitraum geeignet sein.

 

Die derzeitigen Kriterien für das Ansprechen bei DLBCL beruhen auf funktionellen radiologischen Indizes, die naturgemäß die Krankheitslast auf molekularer Ebene nicht messen. Die Autoren bewerteten die Leistung der phasenweisen Variantenanreicherung und -detektion durch Sequenzierung (PhasED-Seq), einer ultrasensitiven ctDNA-MRD-Methode, mit dem Schwerpunkt auf der genauen Erkennung der Krankheit am EOT.

Der Nachweis von ctDNA-MRD mittels PhasED-Seq hat laut den Studienautoren einen hohen prognostischen Wert für den Verlauf des DLBCL, wobei der ctDNA-Status am EOT den stärksten prädiktiven Wert aufweist. Für die Quantifizierung der ctDNA-MRD sind Nachweisgrenzen unter 1 Teil in 10.000 in klinisch praktikablen Plasmavolumina erforderlich, insbesondere bei EOT oder um die für die Verwendung als klinischer Surrogatendpunkt erforderliche Leistung zu erreichen. Die Autoren postulieren, dass in Anbetracht des Potenzials der ctDNA-MRD in klinischen Studien für DLBCL routinemäßig Plasmen während der Therapie und zum EOT-Zeitpunkt für die Analyse der MRD gesammelt werden sollten.

 

Tafasitamab/Lenalidomid ein praktikabler Ansatz in der Post-CAR-T-Situation

Die Behandlungsergebnisse von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL waren in der Vergangenheit schlecht, insbesondere bei Patienten, die für eine ASCT nicht in Frage kommen oder deren Krankheit nach einer ASCT fortschreitet. Die L-MIND-Studie untersuchte Tafasitamab/Lenalidomid (TL) bei ausgewählten Patienten mit R/R DLBCL, die für eine ASCT nicht in Frage kamen, mit ermutigenden Ergebnissen, darunter eine Gesamtansprechrate (ORR) von 60 %, eine vollständige Ansprechrate (CRR) von 43 %, ein medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 12,1 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 33,5 Monaten (Salles et al., Lancet Onc 2020; Duell J. et al., Haematologica 2021). Die Autoren haben eine multizentrische retrospektive Studie an allen Patienten mit R/R DLBCL durchgeführt, um die realen Merkmale der TL-Empfänger, die Muster der TL-Verabreichung und die Behandlungsergebnisse seit der Zulassung durch die US-FDA zu ermitteln.

Studienanlage

  • Die Daten zur Demografie, zu medizinischen Begleiterkrankungen, zur Diagnose, zu früheren Therapien und zum Ansprechen auf frühere Therapien, zu unerwünschten Ereignissen nach der TL-Behandlung sowie zu ORR, CRR, PFS und OS nach Beginn der TL-Behandlung wurden den elektronischen Krankenakten entnommen.
  • Es wurden auch Subgruppenanalysen durchgeführt, die die Ergebnisse bei Patienten mit vorheriger chimärer Antigenrezeptor-T- (CAR-T) oder anderer Anti-CD19-Therapie, primär refraktärer Erkrankung nach der ersten Therapie, rezidivierter vs. refraktärer Erkrankung nach der letzten Behandlung, Anzahl der vorherigen Therapien und IPI untersuchten.

Baseline

  • Insgesamt wurden 82 Patienten aus 9 Einrichtungen ausgewertet;
  • alle erhielten mindestens eine Dosis von Tafasitamab und Lenalidomid bei aggressivem Non-Hodgkin-Lymphom.
  • Die Patientenmerkmale sind in Tabelle 1 im Originalabstract zusammengefasst.
  • Insgesamt erfüllten 75 (91 %) der Patienten die Kriterien für die Teilnahme an der L-MIND-Studie nicht;
  • Gründe für die Nichtteilnahme waren u. a.
    • mehr als drei vorangegangene Therapielinien (28 %),
    • eine vorangegangene Anti-CD19-Therapie (23 %, davon 21 % mit vorangegangener CAR T),
    • HGBCL (13 %),
    • ECOG-Leistungsstatus 3-4 (18 %) und
    • Nierenfunktionsstörungen (EGFR < 60 ml/min) (33 %).
  • Dosisverzögerungen bei der Einführung von Lenalidomid traten bei 45 % der Patienten auf;
  • bei den Patienten mit Verzögerungen betrug die mediane Zeit zwischen dem ersten Tafasitamab und dem ersten Lenalidomid 7 Tage (Bereich 1-78).
  • Bei 54 % der Patienten wurde die Lenalidomid-Dosis zu Beginn der Studie reduziert, am häufigsten aufgrund von Nierenfunktionsstörungen (35 %), Leistungsstatus/Frailty (18 %) oder Zytopenien (9 %).

Behandlungsergebnisse

  • Die ORR für die gesamte Kohorte betrug 27% (95% CI 19-39),
  • die CRR 17% (95% CI 10-27).
  • Das mediane PFS betrug 2,8 Monate (95% KI 1,8 - 3,6) und
  • das mediane OS 6,8 Monate (95% KI 4,9 - 9,3).
  • Im Vergleich zur refraktären Erkrankung war die rezidivierte Erkrankung bis zur letzten Therapie (definiert als bestes Ansprechen von PR oder CR bis zur letzten Behandlung und Rückfall mindestens 6 Monate nach der Behandlung) mit einer besseren CRR (40% vs. 7%, OR 8,5, p < 0,01), PFS (median 4,7 vs. 1,9 Monate, HR = 0,44; p < 0,01) und OS (median 9,6 vs. 5,1 Monate, HR = 0,48; p = 0,03) verbunden.
  • Ein niedrigerer IPI-Score (0-3 vs. 4-5) war mit einem längeren PFS (3,6 vs. 1,7 Monate, HR = 0,51, p < 0,01) und OS (median 9,3 vs. 3,4 Monate, HR = 0,46, p < 0,01) verbunden.
  • Weniger vorherige Therapielinien (0-2 vs. ≥3) waren mit einem längeren PFS (3,6 vs. 1,8 Monate, HR 0,58; p = 0,03), aber nicht signifikant mit dem OS (9,3 vs. 5,7 Monate, HR 0,74; p = 0,29) verbunden.
  • Eine frühere CAR-T- oder andere CD19-Therapie war nicht mit einer schlechteren CRR, PFS oder OS verbunden.
  • Die mediane Zeit von der CAR-T-Therapie bis zum Beginn der TL betrug 14,3 Monate.
  • Von 6 Patienten mit refraktärer Erkrankung nach CAR T erreichte 1 von 6 eine CR nach TL (ORR 17%, CRR 17%), während 4 von 11 Patienten mit rezidivierender Erkrankung nach CAR T eine CR erreichten (ORR 36%, CRR 36%).

In dieser praxisnahen Studie zur TL bei R/R-LBCL waren laut den Studienautoren die klinischen Ergebnisse, einschließlich ORR, CRR, PFS und OS, niedriger als in der klinischen Phase-2-Studie L-MIND beobachtet. Diese Unterschiede hängen für die Autoren möglicherweise mit einer größeren Inzidenz von Hochrisiko-Krankheitsmerkmalen bei Patienten in der Praxis, höheren Raten von Komorbiditäten und häufigen Verzögerungen und Dosisreduzierungen bei der Lenalidomid-Behandlung zusammen. Patienten mit einem Krankheitsrückfall nach der letzten Therapie, einem niedrigen bis mäßigen IPI (0-3) und einer geringeren Anzahl von vorherigen Therapielinien (0-2) zeigten bessere Ergebnisse als Patienten ohne diese Merkmale. Dies weist auf eine Patientengruppe hin, die möglicherweise den größten Nutzen aus der Tafasitamab/Lenalidomid-Behandlung zieht. Patienten mit einem Krankheitsrückfall nach einer CD19-gerichteten CAR-T-Therapie zeigten ebenfalls das Potenzial für ein vollständiges Ansprechen mit TL. Dies weist darauf hin, dass Tafasitamab/Lenalidomid ein praktikabler Ansatz in der Post-CAR-T-Situation ist

 

Das intravaskuläre großzellige B-Zell-Lymphom (IVBCL) ist ein seltener Subtyp des DLBCL. Das Lymphom verhält sich aggressiv und häufig wird es laut den Studienautoren erst post mortem diagnostiziert. Die Diagnose des IVBCL ist immer noch schwierig. Aufgrund der unzureichenden Sensitivität der Biopsie und der unspezifischen Symptome sind bei einigen IVBCL-Fällen wiederholte Biopsien erforderlich, ohne dass eine sichere Diagnose gestellt werden kann. Daher ist die Ermittlung klinischer Befunde, die spezifisch für IVBCL sind, für die Praxis von Vorteil. Da bei einigen IVBCL-Fällen ein komplexer Karyotyp (CK) im Knochenmark (BM) ohne histologisch nachgewiesene Beteiligung festgestellt wurde, stellten die Autoren die Hypothese auf, dass dieser Befund einen Anhaltspunkt für die Diagnose von IVBCL liefern könnte. Sie werteten retrospektiv Patienten mit histopathologisch nachgewiesenem, neu diagnostiziertem IVBCL oder DLBCL aus.

Dabei konnten sie zeigen, dass inzidentell entdeckte CK im BM bei etwa 20 % der BMIhisto-IVBCL beobachtet wurde. Interessanterweise für die Autoren zeigten IVBCL ein anderes Muster von Chromosomenanomalien als DLBCL. Außerdem konnten sie zeigen, dass die Prognose von mit R-Chemotherapie behandeltem IVBCL nicht schlechter war als die von DLBCL. Obwohl das Vorhandensein von CK selbst keinen direkten Einfluss auf die Prognose von IVBCL hat, kann dieser Befund laut den Studienautoren bei Fällen, die wiederholte Biopsien erfordern, die Sensitivität des BM-Tests erhöhen. Dies führt zu einer weiteren Verbesserung der potenziellen Prognose.

 

Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Rare Populations

Das humane T-Zell-Leukämievirus Typ 1 (HTLV-1) ist ein endemisches Virus, das in bestimmten Regionen der Welt wie Japan, dem karibischen Becken und Lateinamerika vorkommt und mit dem fatalen adulten T-Zell-Leukämie-Lymphom (ATL) in Verbindung gebracht wird. Etablierte Standardbehandlungen für ATL fehlen, und die Behandlung ist laut den Studienautoren in der Praxis oft unstrukturiert. Die Autoren haben versucht, die klinischen Merkmale, Behandlungsansätze und Ergebnisse zwischen den weltweiten endemischen Regionen zu vergleichen.

Ihres Wissens handelt es sich hier um eine der größten Kohorten von Patienten mit ATL unter realen Bedingungen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass die wichtigsten klinischen Merkmale und Erstbehandlungsansätze zwischen den Weltregionen variieren. Die Überlebenschancen waren jedoch in allen Regionen nach 3 Jahren ähnlich schlecht, was weltweit die Entwicklung neuer Medikamente und Therapieschemata zur Behandlung dieser Erkrankung in endemischen Regionen erforderlich macht.

 

Posttransplantäre lymphoproliferative Störungen (PTLD) sind laut den Studienautoren eine heterogene Gruppe verschiedener lymphoproliferativer Störungen, die nach Organtransplantationen auftreten. Mit den Fortschritten in der Transplantationsmedizin ist die Verwendung von soliden Organtransplantaten (SOT) und Allotransplantaten in den letzten zehn Jahren angestiegen und damit auch die Inzidenz von PTLD. Patienten mit SOT haben ein 2-5-fach höheres Krebsrisiko als die Allgemeinbevölkerung. PTLD ist nach Hautkrebs die häufigste bösartige Erkrankung bei SOT-Patienten und die häufigste Ursache für krebsbedingte Sterblichkeit bei diesen Patienten.

Im Rahmen einer retrospektiven Analyse - eine der größten Studien, in der die Trends in Bezug auf Inzidenz, Behandlungspfade und Überleben bei PTLD-Patienten untersucht wurden - konnten die Autoren eine zunehmende Prävalenz nachweisen, wobei die meisten Fälle bei weißen männlichen Patienten auftraten. Die Chemotherapie war die häufigste Behandlungsform. Obwohl inzwischen neuere Therapien wie CAR-T und zielgerichtete Wirkstoffe zum Einsatz kommen, ist laut den Studienautoren die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit nach wie vor gering.

 

Das DLBCL ist die häufigste AIDS-definierende bösartige Erkrankung bei Menschen mit HIV (PWH). In der Vergangenheit hatten HIV-positive (HIV+) DLBCL-Patienten im Vergleich zu HIV-negativen (HIV-) DLBCL-Patienten schlechte Behandlungsergebnisse. Dies ist vor allem auf eine aggressive Erkrankung und suboptimale HIV-Therapien zurückzuführen. Neuartige kombinierte antiretrovirale Therapien (ART) haben eine sichere und gleichzeitige Behandlung von Lymphomen und HIV ermöglicht. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, auf nationaler Ebene die Entwicklung des Gesamtüberlebens (OS) von HIV-positiven Patienten im Vergleich zu HIV-positiven DLBCL-Patienten zu untersuchen.

Die Daten dieser bisher größte Studie zeigen laut den Studienautoren, dass bei Patienten mit HIV-assoziiertem DLBCL nach wie vor Überlebensunterschiede bestehen, obwohl die Analyse auf Patienten beschränkt wurde, die mindestens 6 Monate überleben. Es gibt immer noch ein hohes Risiko für eine Frühmortalität bei Patienten mit PWH und DLBCL, selbst in der Ära der neuen ART.

 

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Joshua P P. Entrop, Caroline E. Weibull, Karin E. Smedby, et al.

Bis heute hat laut den Studienautoren keine Studie über die Reproduktionsraten bei verschiedenen NHL-Subtypen berichtet, obwohl sich die Behandlungsschemata und die Krankheitsaktivität zwischen aggressivem und indolentem NHL erheblich unterscheiden. Untersuchungen zum Reproduktionsmuster von NHL-Patienten aufgeschlüsselt nach Subtypen sind darum wie die vorliegende Arbeit gerechtfertigt.

Die Autoren fanden, dass Patienten mit indolenten Lymphomen ähnliche Reproduktionsmuster aufweisen wie die Allgemeinbevölkerung. Bei Patienten mit aggressiven Lymphomen war die Reproduktion vor allem in den ersten Jahren nach der Diagnose verringert. Dennoch deutet der reduzierte CIF darauf hin, dass Patienten mit DLBCL auch nach 10 Jahren noch nicht das Reproduktionsniveau von Vergleichspersonen erreichen. Eine Fertilitätsberatung halten die Autoren darum für diese Patientengruppe als besonders wichtig.

 

R-CHOP14 ohne CRT für junge Patienten mit PMBL bevorzugte Behandlungsoption

Das primäre mediastinale großzellige B-Zell-Lymphom (PMBL) ist ein seltenes, reifes, aggressives großzelliges B-Zell-Lymphom (aLBCL). Es entsteht im Mediastinum, entsteht junge Erwachsene und zeigt besondere klinische und biologische Merkmale. Die optimale Erstlinientherapie für PMBL ist umstrittener als bei anderen Subtypen von aLBCL. Zu den therapeutischen Optionen gehören die Standardtherapie R-CHOP21 oder intensivere Therapien (R-CHOP14, R-ACVBP oder DA-EPOCH-R), möglicherweise gefolgt von einer mediastinalen konsolidierenden Strahlentherapie (CRT). Hier berichten die Autoren über die Ergebnisse zu PMBL, die in eine gepoolte Analyse von 5 prospektiven klinischen LYSA-Studien für aLBCL einbezogen wurden.

Studienanlage

  • Zwischen 2003 und 2015 führte die LYSA 5 prospektive klinische Studien für Patienten < 60-65 Jahre mit aLBCL durch:
  • Keine dieser Studien umfasste eine CRT. Für die gepoolte Analyse wurden die PMBL-Fälle auf der Grundlage der klinischen Präsentation, der pathologischen Erstdiagnose und der zentralen pathologischen Untersuchung extrahiert.
  • Die primären Endpunkte waren das 4-Jahres-PFS und OS in Abhängigkeit von der Erstlinienbehandlung (R-CHOP21, R-CHOP14 und R-ACVBP) bei Patienten < 65 Jahren mit PMBL.
  • Zu den sekundären Endpunkten gehörten der Vergleich von aaIPI, IPI und NCCN-IPI für die Prognose, die Anzahl der dauerhaften Behandlungsabbrüche aufgrund von Toxizität und die Auswirkungen der konsolidierten ASCT.

Baseline

  • Von den 1177 Patienten, die in klinische Studien aufgenommen und mit R-Chemo behandelt wurden, hatten 290 PMBL (8 LNH03-1B, 112 LNH03-2B, 47 LNH03-3B, 44 LNH07-3B, 79 GAINED).
  • Das Durchschnittsalter lag bei 35 Jahren (18-63), wobei der Anteil der Frauen (53 %) überwiegt.
  • Eine zentrale pathologische Untersuchung wurde in 270 Fällen (93 %) durchgeführt.
  • Insgesamt lag der aaIPI bei 10, 147, 103 bzw. 29 Patienten bei 0, 1, 2 und 3,
  • der IPI bei 144, 62, 64 und 19 Patienten bei niedrig, niedrig-mittel, hoch-mittel und hoch und
  • der NCCN-IPI bei 76, 171, 43 und 0 Patienten bei niedrig, niedrig-mittel, hoch-mittel und hoch.
  • Insgesamt erhielten 59 Patienten R-CHOP21, 70 R-CHOP14 und 161 R-ACVBP, ohne signifikante Unterschiede bei den Ausgangsdaten.
  • 82 Patienten unterzogen sich einer konsolidierenden ASCT.

Behandlungsergebnisse

  • Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 42 Monaten betrugen das 4-Jahres-PFS und OS der 290 Patienten 80 % bzw. 85 %.
  • Es gab 57 PFS-Ereignisse, darunter 49 Progressions-/Rückfallereignisse und 8 Todesfälle ohne Progression/Rückfall.
  • Es gab 38 Todesfälle, davon 28 (74 %) aufgrund von Lymphomen, 4 (11 %) aufgrund von Toxizität und 6 (16 %) aufgrund anderer Ursachen.
  • Angesichts der geringen Anzahl von Ereignissen für PFS und OS wurden die aaIPI-, IPI- und NCCN-IPI-Scores jeweils dichotomisiert.
  • Der NCCN-IPI hatte die beste prognostische Wirkung mit einem 4-Jahres-PFS von 82 % (niedrig + niedrig-intermediär) gegenüber 67 % (hoch-intermediär + hoch, p=0,01) und einem 4-Jahres-OS von 86 % gegenüber 78 % (p=0,05).
  • Bei Patienten, die mit R-CHOP21, R-CHOP14 und R-ACVBP behandelt wurden, lag das 4-jährige PFS bei 64%, 78% und 86% (p=0,004) und das 4-jährige OS bei 73%, 89% bzw. 88% (p=0,031).
  • In der multivariaten Analyse, die den NCCN-IPI und die Behandlung einbezog, blieben beide Faktoren unabhängig voneinander prognostisch für PFS und OS.
    • Für PFS: NCCN-IPI (Referenz niedrig + niedrig-mittel) HR 3,1 [95% CI 1,6-6, p<0,001]; Behandlung (Referenz R-CHOP21), R-CHOP14 (HR 0,468 [95% CI 0,228-0,960, p=0,04]), R-ACVBP (HR 0,277 [95% CI 0,144-0,533, p<0,001]).
    • Für OS: NCCN-IPI HR 3,1 [95% CI 1,4-7,1, p=0,007]; Behandlung, R-CHOP14 (HR 0,315 [95% CI 0,120-0,826, p=0,02]), R-ACVBP (HR 0,316 [95% CI 0,146-0,682, p=0,003]).
  • Ein dauerhafter Behandlungsabbruch aufgrund von Toxizität erfolgte bei 5 Patienten (alle in der R-ACVBP-Gruppe).
  • Eine konsolidierende ASCT verbesserte das Überleben nicht.

In dieser gepoolten Analyse der prospektiven LYSA-Studien verbesserten R-CHOP14 und R-ACVBP laut den Studienautoren das PFS und OS im Vergleich zu R-CHOP21 signifikant. Bei R-ACVBP kam es häufiger zu einem dauerhaften Behandlungsabbruch aufgrund von Toxizität. Darum halten die Autoren R-CHOP14 ohne CRT für junge Patienten mit PMBL für die bevorzugte Behandlungsoption.

 

Die prolymphozytäre T-Zell-Leukämie (T-PLL) ist eine aggressive und seltene T-Zell-Bösartigkeit, die laut den Studienautoren durch Therapierefraktärität, frühe Rückfälle und eine schlechte Prognose gekennzeichnet ist. Die Daten zur Charakterisierung von T-PLL-Patienten und ihren Ergebnissen in der heutigen Zeit sind begrenzt. Daa Ziel der Autoren war es, die nationalen Trends bei den Überlebensergebnissen mit dem Aufkommen neuer Therapien und die Merkmale zu bewerten, die mit unterschiedlichem Behandlungszugang und Überleben verbunden sind.

Sie stellen damit die bisher größte Studie zur T-PLL vor, die die aktuellen Überlebensergebnisse in der Praxis aufzeigt. Obwohl vermutlich Alemtuzumab und Venetoclax kleine Verbesserungen brachten, ist die Überlebensrate nach wie vor düster. Eine kleine Untergruppe von Patienten, die mit aktiver Überwachung behandelt wurden, hatte eine verbesserte Überlebensrate, obwohl es sich dabei laut den Studienautoren wahrscheinlich um Patienten mit asymptomatischer "inaktiver T-PLL" handelt, die bis zum Fortschreiten der Erkrankung unbehandelt bleiben können. Die Autoren fanden keinen signifikanten Überlebensvorteil für Patienten, die eine Behandlung erhielten, im Vergleich zu Patienten, die aufgrund von Palliativmedizin, Komorbidität oder frühem Tod keine Behandlung erhielten. Dies legt nahe, dass allen Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose die Möglichkeit klinischer Studien und palliativer Versorgung angeboten werden sollte. Patienten, die an akademischen Zentren behandelt wurden, haben einen signifikanten Überlebensvorteil. Darum sollte für Betroffene eine rasche und frühzeitige Überweisung an erfahrene Kliniker erwogen werden.

Aggressive Lymphomas - Clinical and Epidemiological - Real World Evidence for Management of CNS Lymphoma and Post CAR T-cell relapse for aggressive B-cell NHL

Aus mehreren Berichten geht laut den Studienautoren hervor, dass 65,5 bis 83 % der CAR-T-Zell-Versager in den ersten drei Monaten auftreten (Early Failure, EF), während die späten Versager (LF) nach drei Monaten nur 12,5 bis 34,5 % ausmachen. Eine längere Dauer des Ansprechens auf eine CAR-T-Zell-Therapie wurde in der Praxis mit einem besseren Überleben in Verbindung gebracht.

Die Autoren haben hier die klinischen Merkmale, Behandlungsmuster und Ergebnisse von LF-Patienten aus DESCAR-T analysiert, einem landesweiten Register, das Daten aus dem wirklichen Leben von

In dieser ersten Analyse einer kleinen Gruppe von Patienten mit R/R aggressivem BCL, bei denen die CAR-T-Zell-Therapie nach 3 Monaten versagte, wurden das beste PFS und OS in der Bi-spezifischen Antikörper -Behandlungsgruppe beobachtet. Eine Strahlentherapie kann laut den Studienautoren bei ausgewählten Patienten mit lokalisierter Erkrankung zu einem verlängerten Ansprechen führen. Unterschiedliche biologische Mechanismen des Rückfalls und der Empfindlichkeit gegenüber adoptiver Immuntherapie könnten gemäss den Autoren den späteren Verlust des Ansprechens in der Untergruppe der LF-Patienten erklären und sollten untersucht werden.

 

Dauerhafte Remissionen mit CAR-T Zellen bei rezidivierten und refraktären B-Zell-Lymphomen werden nur bei 30-40 % der Patienten erreicht. Für die CAR-T-Resistenz ist möglicherweise die Erschöpfung der T-Zellen verantwortlich, die laut den Studienautoren zum Teil durch die Hochregulierung der Checkpoint-Proteine PD-1 und PD-L1 in der Lymphomumgebung vermittelt wird. Eine Checkpoint-Inhibitor-Therapie (CPI) mit Anti-PD-1- oder Anti-PD-L1-Antikörpern nach einem CAR-T-Rezidiv kann den erschöpften Zustand der T-Zellen umkehren und die CAR-T-Funktion wiederherstellen. Ansprechraten, die Toxizität und das Überleben nach einer CAR-T-Behandlung sollten in einer großen, realen Kohorte untersucht werden.

In dieser Kohorte von Patienten waren die Ansprechraten und das mediane Überleben sehr schlecht, insbesondere bei Patienten mit einem frühen CAR-T-Rezidiv. Dauerhafte Remissionen auf CPI waren selten (5 %), und nur bei Patienten mit PMBCL verbesserten sich die Ansprechraten auf CPI, jedoch ohne Verbesserung des OS. Diese Daten bestätigen die düstere Prognose von Patienten mit refraktärem oder früh rezidivierendem Lymphom nach CAR-T und den dringenden Bedarf an wirksamen Therapieansätzen.

 

Der CNS International Prognostic Index (CNS-IPI) ist laut den Studienautoren ein robustes Modell zur Schätzung des ZNS-Rückfallrisikos bei diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL), die neu auftreten. Es wurde jedoch noch nicht auf HGBCL-DH-BCL2 angewandt. Hier haben die Autoren eine bevölkerungsbasierte Analyse durchgeführt, um die Raten von SCNSL bei HGBCL-DH-BCL2 zu bestimmen, die durch nicht-selektive FISH-Tests in British Columbia (BC) stratifiziert nach dem ZNS-IPI identifiziert wurden.

In dieser bisher größten Serie sind die SCNSL-Raten laut den Studienautoren deutlich niedriger als bisher berichtet. Bei den Patienten mit einem ZNS-Rezidiv war eine leptomeningeale Beteiligung häufig. Der ZNS-IPI ist bei dieser Entität weiterhin prädiktiv für SCNSL, was gemäss den Autoren darauf hindeutet, dass das Gesamtrisiko durch zusätzliche klinische Risikofaktoren bestimmt wird. Das Risiko eines ZNS-Rezidivs liegt bei Patienten mit niedrigem/geringem ZNS-IPI unter 5 %, weshalb bei dieser Untergruppe möglicherweise keine auf das ZNS ausgerichteten Verfahren und keine Prophylaxe erforderlich sind.

 

Das primäre Lymphom des Zentralnervensystems (PCNSL) ist ein seltenes und aggressives Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), das außerhalb der Knoten auf das Gehirn, die Augen, die Leptomeningen und das Rückenmark beschränkt ist. Mehr als 90 % der Patienten gehören zu den diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL). Die aktuellen Diagnose- und Staging-Leitlinien empfehlen eine umfassende Untersuchung zum Ausschluss einer systemischen Erkrankung mit Computertomographie (CT) des Brustkorbs, des Abdomens und des Beckens, eine Knochenmarksbiopsie (BMB) und bei Männern eine Hodensonographie. Die Rolle der BMB bei PCNSL-Patienten in der PET-CT-Ära ist nicht geklärt.

In dieser Studie an 300 Patienten mit PCNSL mit PET-CT-Scans ohne Anzeichen eines systemischen Lymphoms außerhalb des ZNS sollte untersucht werden, ob auf PET-CT-Scans die BMB bei der diagnostischen Abklärung sicher weggelassen werden kann.

Die Autoren fanden in dieser bisher umfangreichsten Studie zur Bewertung der BMB bei PCNSL in der PET-CT-Ära keine Fälle mit BM-Infiltration von DLBCL. Ein kleiner Teil der Patienten mit PCNSL hat ein diskordantes, oft niedriggradiges Lymphom im Knochenmark. Bei einer Stichprobengröße von 300 beträgt die Wahrscheinlichkeit, eine DLBCL-Infiltration im Knochenmark zu übersehen, ≤ 1 % (95 % CI). Daher legen die Ergebnisse nahe, dass die BMB bei Patienten mit PCNSL mit DLBCL-Histologie und ohne Anzeichen eines systemischen Lymphoms auf PET-CT-Scans sicher weggelassen werden kann.

 

Angesichts der Bedenken hinsichtlich der Neurotoxizität der Standarddosis (SD) der Ganzhirnbestrahlung (WBRT) nach hochdosiertem Methotrexat (MTX) hat sich laut den Studienautoren die Konsolidierung bei primären ZNS-Lymphomen (PCNSL) entweder zu einer autologen hämatopoetischen Zelltransplantation (AHCT) oder einer WBRT mit reduzierter Dosis (RD; ≤24 Gy) und Cytarabin entwickelt. Die Autoren haben versucht, die Faktoren zu bewerten, die das Konsolidierungskonzept und die Überlebensergebnisse je nach Konsolidierungsstrategie beeinflussen. Bei einer Krankheit, die in der Vergangenheit als multifokal galt, analysierten sie die Rückfallmuster in einer großen Kohorte zeitgleich behandelter Patienten.

In einer großen PCNSL-Kohorte erzielten moderne Konsolidierungstherapien (AHCT, RD WBRT) bei Patienten, die eine CR bis zur Konsolidierung erreichten, laut den Studienautoren ähnliche Überlebensergebnisse bei Kontrolle der klinischen Variablen. Der Leistungsstatus, das Alter und das Ansprechen auf die Induktionstherapie beeinflussten die Konsolidierungsstrategie und die Ergebnisse. Dies weist darauf hin, dass eine weitere Personalisierung erforderlich ist. Verzögerte Rückfälle nach Erreichen von CR bis zur Konsolidierung sind häufig multifokal und nicht lokal. Frühe Progressionsmuster bei refraktären Patienten (von denen viele lokalisiert blieben) könnten hingegen gemäss den Autoren auf eine Rolle der fokalen RT bei Resterkrankungen hindeuten.

 

Orelabrutinib kombiniert mit RM: Vielversprechende Antitumoraktivität bei neu diagnostiziertem PCNSL

Die Autoren haben eine retrospektive Studie zu den klinischen Ergebnissen bei neu diagnostizierten PCNSL-Patienten durchgeführt, die in der klinischen Routineversorgung mit Orelabrutinib in Kombination mit Rituximab und HD-MTX (RMO) behandelt wurden.

Studienanlage

  • Diese retrospektive Kohorte umfasste die Patienten (im Alter von 18 bis 80 Jahren) mit neu diagnostizierter PCNSL, die zwischen Mai 2021 und Juni 2022 mindestens zwei Zyklen eines RMO-Schemas (Rituximab 375 mg/m2 iv Tag 1; MTX 3,5 g/m2 iv Tag 1; Orelabrutinib 150 mg qd po; 3 Wochen pro Zyklus) als Induktionstherapie in einer realen Umgebung erhielten.
  • Es wurde vorgeschlagen, eine Orelabrutinib-Monotherapie als Erhaltungstherapie nach der RMO-Therapie zu erhalten, wenn dies als notwendig erachtet wird.

Baseline

  • Vierunddreißig Patienten mit neu diagnostizierter PCNSL (20 männlich; 24 Nicht-GCB-Subtypen) mit einem Durchschnittsalter von 58,5 Jahren (Spanne: 30-79) wurden eingeschlossen.
  • Vier (11,8 %) der Patienten hatten einen ECOG-Leistungsstatus von ≥3.

Behandlungsergebnisse

  • Alle Patienten (100 %) erreichten ein gewisses Ansprechen (vgl. Abbildung 1 im Originalabstract), wobei 21 Patienten (61,8 %) ein vollständiges Ansprechen zeigten.
  • 18 (52,9%) Patienten schlossen 6 Zyklen RMO als Induktionstherapie ab, mit einer ORR von 94,44% (17/18) und einer CR-Rate von 88,89% (16/18) bei der Bewertung des 6. Zyklus.
  • Zum Stichtag (30. Juni 2022) erhielten 8 Patienten eine Orelabrutinib-Erhaltungstherapie und hatten einen CR-Status.
  • Das mediane PFS wurde nicht erreicht (95% CI, 7 Monate - nicht erreicht; vgl. Abbildung 2 im Originalabstract), mit einer 6-Monats-PFS-Rate von 97,0% (95% CI, 91,3%-100,0%).
  • Auch das mediane OS wurde nicht erreicht.
  • Von 22 Patienten, die für die Erstellung von Genveränderungsprofilen zur Verfügung standen, wiesen 18 Patienten (81,8 %, 18/22) eine MYD88-Mutation auf und erreichten eine ORR von 100 % (CR, 55,6 %).
  • Vier dieser 18 Patienten wiesen gleichzeitig eine Mutation in CD79B auf.
  • Plasma- und Liquorproben wurden von 5 Patienten 2 Stunden nach der 15-tägigen konsekutiven Verabreichung von Orelabrutinib entnommen.
  • Die mediane Liquorkonzentration von Orelabrutinib betrug 21,6 ng/ml (Bereich 15,9-48,5), und das mediane Verhältnis von Liquor zu Plasma betrug 58,6 % (Bereich 38,6-82,5 %).
  • Alle diese 5 Patienten erreichten ein Ansprechen (3 CR; 2 PR).

Verträglichkeit

  • Bei sechs von 34 Patienten (17,65 %) traten unerwünschte Ereignisse (AEs) auf.
  • Die häufigste Nebenwirkung war eine Verminderung der weißen Blutkörperchen (8,82 %).
  • Nur bei 2 Patienten (5,88 %) traten 4 Nebenwirkungen ≥Grad 3 auf, darunter eine Verminderung der weißen Blutkörperchen, Anämie, eine Verminderung der Thrombozytenzahl und eine Erhöhung der Alanin-Aminotransferase.
  • Es trat kein behandlungsbedingter Todesfall auf.

Diese retrospektiven Daten deuten laut den Studienautoren darauf hin, dass Orelabrutinib in Kombination mit RM eine vielversprechende Antitumoraktivität bei neu diagnostizierten PCNSL-Patienten mit einem tolerierbaren Sicherheitsprofil aufweist.

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